Schulen stärken, Zukunft gestalten: Die neue Programmleitung Dr. Beate Kerpen über Schulentwicklung in Thüringen

Dr. Beate Kerpen leitet seit November 2025 das Programm Erfolg macht Schule 2.0 am DKJS-Standort Thüringen in Jena und spricht im Interview über ihren Einstieg als Programmleiterin und die Zukunft von Erfolg macht Schule 2.0.

Beate bringt eine internationale akademische Laufbahn mit Studien- und Forschungserfahrungen in mehreren Ländern mit und hat sich in ihrer Promotion mit Gender, Migration und kolonialer Ungleichheit beschäftigt. Zudem verfügt sie über Studienerfahrung im Lehramt und war in der Erwachsenenbildung tätig.
Bevor sie die Leitung des Programms Erfolg macht Schule 2.0 antrat, war sie viele Jahre in leitender Funktion an einer außeruniversitären Forschungseinrichtung tätig. Ihr Schwerpunkt lag auf der Koordination nationaler und internationaler Projekte, Netzwerkarbeit sowie der Weiterentwicklung und Steuerung interner Prozesse und Strukturen. Ihre Arbeit zeichnet sich durch ausgeprägte strategische und organisatorische Kompetenzen sowie umfassende Erfahrung in der Gestaltung komplexer Vorhaben und Steuerung durch Veränderungsprozesse sowie der Führung multiprofessioneller Teams aus.

 

Nach fast einem halben Jahr: Was beeindruckt dich im Programm „Erfolg macht Schule 2.0“?

Mich beeindruckt vor allem das große Engagement der Schulen und ihre Offenheit, neue Wege zu gehen – gerade auch unter herausfordernden Bedingungen vor Ort. Besonders bemerkenswert ist für mich, wie viel Innovationskraft entsteht, wenn Schulen gezielt unterstützt werden und Schulleitungen in ihren Führungskompetenzen gestärkt werden.

Gleichzeitig überzeugt mich die kontinuierliche Arbeit der vergangenen zehn Jahre im Programm “Erfolg macht Schule 2.0”. Sie wurde maßgeblich von meinem Vorgänger Michael Wiegleb sowie einem starken Projektteam getragen, das mit hoher fachlicher Expertise, großem Engagement und einem ausgeprägten Verständnis für vertrauensvolle Zusammenarbeit den Erfolg des Programms prägt. 

 

Wie begegnet das Programm “Erfolg macht Schule 2.0” den Themen und Herausforderungen in der Schulentwicklung in Thüringen? Welche Schwerpunkte setzt du?

Thüringer Schulen stehen vor vielfältigen Herausforderungen. Zum einen ist die Sicherung der Unterrichtsversorgung ein großes Thema – viele Schulen arbeiten unter einer angespannten Personalsituation – gleichzeitig steigen die Anforderungen an Unterricht und individueller Förderung. Unter diesen Rahmenbedingungen kann es vor Ort schwierig sein, Schulentwicklung konsequent im Blick zu haben und daran zu arbeiten.

In der Arbeit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und ganz besonders Im Programm „Erfolg macht Schule 2.0“ ist es unser oberstes Ziel, die Schulen auf ihrem individuellen Weg einer ganzheitlichen Schulentwicklung zu unterstützen. Dabei geht es weniger um isolierte Maßnahmen als vielmehr darum, sie nachhaltig als lernende Organisationen zu stärken. Sie erhalten Beratung und Begleitung beim Aufbau geeigneter Teamstrukturen, wie Steuergruppen oder professionelle Lerngemeinschaften, und nutzen fachliche Impulse zur Weiterentwicklung ihrer pädagogischen Konzeption - aktuell zum Thema lernförderliche Leistungseinschätzung.

Dabei zielen alle Maßnahmen langfristig darauf ab, das Lernen und Leben der Schüler:innen zu verbessern und Schulen zu zukunftsfähigen Orten für Bildungs- und Chancengerechtigkeit zu machen.

Damit das möglich wird, braucht Schule auch eine wirksame multiprofessionelle Zusammenarbeit und eine unterstützende Begleitung durch die Schulaufsicht. Beide Aspekte adressiert das Programm gezielt und fördert so auch das Zusammenwirken unterschiedlicher Akteur:innen des Thüringer Bildungssystems in geklärten Rollen und Verantwortlichkeiten. Von unserem Ansatz profitieren am Ende alle: Schüler:innen, Lehrkräfte, Schulleitungen sowie alle beteiligten Fachkräfte, die Mitarbeitenden der Schulverwaltung und die Kooperationspartner:innen von Schulen. 

 

Welche Bedeutung hat die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen für die gesellschaftliche Entwicklung im Freistaat Thüringen? 

Die echte Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ist essenziell für eine lebendige und widerstandsfähige Demokratie – gerade auch in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung und wachsender Herausforderungen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Wenn junge Menschen früh erleben, dass ihre Perspektiven zählen und sie wirksam mitgestalten können, stärkt das nicht nur ihre persönliche Entwicklung, sondern auch ihr Vertrauen in demokratische Prozesse und Institutionen. Das ist besonders wichtig in einem Flächenland wie Thüringen, in dem Teilhabe und Mitgestaltung nicht überall selbstverständlich erfahrbar sind. Das zeigt der Teilhabeatlas Kinder- und Jugendliche deutlich: Der „Teilhabeatlas Kinder und Jugendliche” ist da - DKJS.

Angesichts des demografischen Wandels und der Fachkräftesicherung kommt es zudem entscheidend darauf an, junge Menschen gut zu qualifizieren und sie als aktive Gestalter:innen ihrer Region zu stärken.

 

Was braucht es, damit Schulentwicklung gelingen kann? Was möchtest du Schulen mit auf den Weg geben?

Es ist wichtig, den Entwicklungsprozessen von Schulen mit Wertschätzung zu begegnen. Schulentwicklung, gerade in herausfordernden Lagen, erfordert viel Kraft, Ausdauer und Resilienz. Oft beginnen große Veränderungen mit kleinen Schritten. Wir sehen im Programm immer wieder, wie wirksam externe Prozessbegleitung sowie kollegiales Lernen, Austausch in Netzwerken und auch Hospitationen sein können. Ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit ist, realistische und zum jeweiligen Kontext passende Entwicklungsschritte gemeinsam mit den Schulen zu identifizieren und an bereits Bestehendes anzuknüpfen. Oft entstehen die wirksamsten Lösungen direkt vor Ort. Für uns sind die Schulen und ihre Teams die Expert:innen ihrer eigenen Schulentwicklung.  

Ich möchte die Schulen ermutigen, neugierig zu bleiben und sich auf den Prozess einzulassen – auch wenn die Rahmenbedingungen herausfordernd sind. Schulentwicklung braucht Zeit, Mut und Vertrauen: in die eigenen Stärken und in die Zusammenarbeit im Team. Wichtig ist auch, die eigenen Erfolge

Was wünschst du dir für das Programm und die Schulentwicklung in Thüringen? 

Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam nachhaltige Strukturen schaffen, die über das Programm hinaus wirken und Schulen langfristig stärken – unabhängig von einzelnen Förderphasen und Förderprogrammen.

Gerade in einem Bundesland wie Thüringen mit seinen unterschiedlichen regionalen Voraussetzungen ist es wichtig, Schulentwicklung verlässlich zu unterstützen und erfolgreiche Ansätze systematisch zu verbreiten.

Mein Ziel ist es, dass „Erfolg macht Schule 2.0“ dazu beiträgt, Bildungschancen gerechter zu gestalten und die Attraktivität von Schule als Lern-, Lebens- und Arbeitsort nachhaltig zu erhöhen.